Manchmal führt das Leben uns auf Wege, die wir niemals geplant hätten – und doch, wenn wir zurückblicken, erkennen wir die Muster, die uns dorthin gebracht haben, wo wir heute stehen. Für mich begann alles im Jahr 1983, einer Zeit, in der ich nach dem Studium der Physik voller Hoffnung und Ambitionen war. Doch der Berufseinstieg als Geophysiker erwies sich als schwierig. Arbeitgeber mit Bedarf an Diplomphysikern waren rar, und nach vielen erfolglosen Bewerbungen begann ich an mir zu zweifeln.
Von der Sackgasse zu einer neuen Leidenschaft
Die IT war während meines Studiums nur eine Hilfswissenschaft, ein Werkzeug. Ich hätte nie gedacht, dass sie zu meinem Weg in die Berufswelt werden würde. Doch eine meiner Bewerbungen landete bei Apple – und das veränderte alles. Plötzlich fand ich mich in einer Intensivschulung wieder, mit einer völlig neuen Welt vor mir: Computern, Software und einer Firma, die für Visionen stand.
1984 war ein prägendes Jahr. Ich war Teil der ersten Gruppe von Menschen in Deutschland, die den legendären Macintosh live erleben durften. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Spannung, die in der Luft lag, als Steve Jobs den Mac vorstellte. Dieses Gefühl, Teil von etwas Revolutionärem zu sein, ließ mich nicht mehr los. Es war, als hätte jemand eine Tür zu einer neuen Welt geöffnet – und ich wollte unbedingt hindurchgehen.
Der erste Kontakt mit Tabellenkalkulation
Noch bevor Excel geboren war, entdeckte ich Multiplan auf dem Apple II. Die Möglichkeiten, die dieses Programm bot, faszinierten mich. Tabellenkalkulationen waren weit mehr als Zahlen in Kästchen – sie waren ein Werkzeug, um komplexe Probleme zu lösen, um Kreativität und Logik zu vereinen. Auf der Hannover Messe 1985 durfte ich meine Begeisterung für Multiplan mit anderen teilen, als ich auf dem Apple-Stand die damals verfügbare Standardsoftware präsentierte.
Dieser Vortrag brachte mich mit einem Mitarbeiter vom gegenüber liegenden Microsoft-Messestand in Kontakt. Er vertraute mir eine Vorversion von Excel an. Ich fühlte mich geehrt, aber auch herausgefordert. Excel war damals noch voller Kinderkrankheiten – es gab Abstürze, und die Software war in der Version 0.7 alles andere als stabil. Doch in mir wuchs eine tiefe Überzeugung: Dieses Programm würde die Arbeitswelt verändern.
Mein erster Excel-Kunde: Eine Reise ins Ungewisse
Mein erster Excel-Kunde war Dr. Michael M., ein Abteilungsleiter bei Wintershall in Kassel. Ich werde nie vergessen, wie ich ihm einen Macintosh verkaufte und nach Absprache nicht nur Multiplan sondern auch die Vorversion von Excel in Form von 2 Disketten mitlieferte. Das war damals eine Notlösung, weil die offizielle Version erst 6 Monate später verfügbar war. Seine Begeisterung war ansteckend, und bald erkannte er, dass seine Mitarbeiter Schulungen brauchten, um das volle Potenzial des Macs und von Excel auszuschöpfen.
Diese Schulungen waren für mich mehr als nur ein Auftrag. Sie waren ein erster Schritt in eine neue Richtung. Plötzlich war ich nicht mehr nur ein Verkäufer von Computern, der auch die Software mitliefert, sondern ein Vermittler von Wissen. Und das fühlte sich unglaublich gut an.
Vom Hardware-Verkäufer zum Software-Trainer
1987 wagte ich einen mutigen Schritt: Ich kündigte meinen Job und entschied mich, mich voll und ganz auf Software-Schulungen zu konzentrieren. Das war kein einfacher Weg, besonders mit einer jungen Familie. Aber ich spürte, dass dies meine Berufung war.
Es waren Unternehmen wie die Braun Melsungen AG, die mir das Vertrauen schenkten und mich als externen Trainer engagierten. Über die Jahre führte ich hunderte von Kursen durch, besonders im Bereich Excel. Jeder Kurs war für mich eine Gelegenheit, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch zu zeigen, wie Excel Kreativität freisetzen kann.
Herausforderungen und neue Chancen
Mit der Zeit änderten sich die Anforderungen. Die Digitalisierung schritt voran, und ich musste mich anpassen. 2006 gründete ich gemeinsam mit meiner Frau eine GmbH, um neue Bildungsprojekte anzugehen. Doch die wahre Veränderung kam, als ich mich auf Online-Plattformen fokussierte.
Die Teilnahme an einem E-Learning-Trainingskurs war ein wichtiger Schritt, um neue Kunden und Auftraggeber zu finden. Wie man Online-Kurse gestaltet, wusste ich schon lange zuvor und wusste um das Potenzial dieser Form des Lernens. Die Abschlussnote 1,1 dokumentierte die schon lange vorhandene Kompetenz und so wurde ich – schon über 60 – freiberuflicher Dozent beim Bildungsunternehmen alfatraining, wo ich deutschlandweit Teilnehmer unterrichtete. Diese neue Art des Lehrens fühlte sich an wie eine zweite Berufung. Schulgebäude sind für Lernende und Lehrer überflüssig, man braucht nur noch ein Home-Office mit schnellem Internetzugang.
Das Konzept des Flipped Classroom
In den letzten Jahren entwickelte ich mein eigenes Weiterbildungsmodell, basierend auf der Methode des Flipped Classroom. Die Idee ist einfach: Teilnehmer lernen die Theorie durch vorab aufgezeichnete Videos, und die gemeinsame Zeit wird genutzt, um Fragen zu klären und Probleme zu lösen.
Im regulären Unterricht konnte ich das Modell nicht testen, aber es gab viele Teilnehmer, die den Unterricht wegen dringender Termine oder Krankheiten versäumten. Dank meiner mehr als 1000 Erklärvideos bei YouTube konnte ich fast immer eine Vortragskonserve anbieten. Das sprach sich bei den Teilnehmern herum und sie nutzten die Videos, wenn die Abschlussprüfungen anstanden. Voller Genugtuung beobachtete ich, wie sich viele motivierte Teilnehmer in Lerngruppen zusammenfanden, um sich neue Lernpfade zu erschließen – einigen zeigte ich in den Übungen auch, wie die KI als Assistent genutzt werden kann. Ich fühlte mich nicht mehr wie ein Dozent aus der Welt des Frontalunterrichts, sondern wie ein Mentor, der Menschen dazu inspiriert, das Beste aus sich herauszuholen.
Excel: Mehr als ein Werkzeug
Für mich ist Excel weit mehr als ein Programm. Es ist ein Symbol für Kreativität, für Problemlösung und für die Fähigkeit, Komplexität zu meistern. Es hat mir nicht nur eine interessante berufliche Tätigkeit ermöglicht, sondern auch gezeigt, dass Bildung und Innovation Hand in Hand gehen können.
Mit meinem neuen Projekt, der LearningLounge, möchte ich diese Erfahrungen weitergeben. Ich träume von einer Welt, in der Bildung flexibel, zugänglich und inspirierend ist. Das Excel-Angebot ist dabei eine Vorlage für viele, die sich Ähnliches in ihren Fachgebieten zutrauen, um Menschen zu ermutigen, ihre eigenen Potenziale zu entdecken und ihre Träume zu verwirklichen.
Rückblick und Dankbarkeit
Wenn ich auf die Jahrzehnte seit meinem Studium zurückblicke, erfüllt mich tiefe Dankbarkeit für die Menschen, die mich inspiriert haben, meinen eigenen Weg zu gehen – auch wenn dieser Weg nicht von Reichtum geprägt war. Ich denke an den Professor in Göttingen, der mich zur selbständigen wissenschaftlichen Arbeit im Rahmen meiner Diplomarbeit anleitete und mich dabei auch in die Auswertung großer Datenmengen mit dem Computer einführte. Oder an den Wintershall-Manager Michael M., der mir den entscheidenden Impuls gab, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen – auch wenn daraus letztlich kein weiterer Auftrag folgte.
Besonders dankbar bin ich Wilhelm M., dem damaligen Leiter der Aus- und Weiterbildung bei B. Braun Melsungen. Er erteilte mir den ersten Auftrag in meiner 24-jährigen Tätigkeit als externer IT-Trainer in dem Unternehmen und gab mir durch sein wertvolles Feedback Orientierung und Motivation. Ebenso inspirierend war für mich die Rede von Niko F., dem Gründer von Alfatraining, beim Neujahrsempfang im Januar 2018, in der er seine Vision von innovativen Schulungsangeboten darlegte.
Auch im Privaten hat mich das Thema Weiterbildung immer wieder begeistert. Meine Frau Elke erlebte dies hautnah, als sie Französisch-Unterricht bei Muttersprachlerinnen aus Kamerun nahm – ein einzigartiges Erlebnis, das durch die persönliche Note und den interkulturellen Austausch bereichert wurde. Das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität dieser Begegnung ließen sich mit den VHS-Angeboten der nahe gelegenen Orte kaum vergleichen. Was als Unterricht begann, entwickelte sich über Jahre hinweg zu einer Freundschaft, die in persönlichen Treffen mündete – ein Zeugnis dafür, wie Weiterbildung Brücken zwischen Kulturen bauen kann.
Dank moderner KI-Tools wie DeepL und Co. ist heute nahezu alles zugänglich, was in den wichtigsten Sprachen der Welt im Internet verfügbar ist. Solche Technologien eröffnen neue Horizonte, die uns – wenn wir offen für Veränderungen bleiben – auf unerwartete und spannende Wege führen können.
Für mich war Excel der Ausgangspunkt, meine Festanstellung zu kündigen und selbständige Weiterbildungsangebote zu gestalten. Heute ermöglichen mir das Internet, Lernplattformen, Videokonferenzen und KI-gestützte Assistenzsysteme eine schier grenzenlose Vielfalt an Möglichkeiten. Diese Chancen lassen sich besonders gut nutzen, wenn man im Ruhestand ein gesichertes Einkommen hat und erkennt, wie wichtig geistige Fitness bis ins hohe Alter ist.
Aus dieser Überzeugung heraus plane ich, mein nächstes Kursangebot in der LearningLounge zu entwickeln. Nach der Fertigstellung der 22 Videos zum Excelkurs möchte ich einen Online-Kurs schaffen, der anderen vermittelt, wie sie vergleichbare Angebote selbst gestalten können – am besten in Teamarbeit mit anderen. Denn eines habe ich in all den Jahren gelernt: Weiterbildung ist der Schlüssel, um nicht nur sich selbst, sondern auch andere zu inspirieren – und das ein Leben lang.